Automatisch
Da will man sich endlich mal wieder mit der Herzallerliebsten ein Candle-Light-Dinner im angesagtesten Restaurant der Stadt gönnen, doch was fällt einem plötzlich auf den Stufen zum Portal des Gourmettempels siedend heiß ein? Ja, dass das Bargeld, das man dabei hat, bei Weitem nicht ausreichen wird, um die außerordentlichen Fähigkeiten des Chef de Cuisine, dessen Haus Geld- und Kreditkarten kategorisch ablehnt, finanziell auch nur ansatzweise würdigen zu können.
Gut, vor dreißig Jahren hätte man nun entweder den Rückzug antreten oder Zähne knirschend die hoffentlich zahlungskräftige Liebste anpumpen müssen. Heute jedoch kann man sich ruhigen Gewissens und ohne Angst, als ertappter Zechpreller unsanft auf dem Gehwegpflaster zu landen, das 4-Gänge-Menu munden lassen - zum Glück finden sich ja an so gut wie jeder Ecke neben Zigaretten- und den guten alten Kaugummi-Automaten (mit den nicht mehr ganz so guten alten Kaugummis drin) zahlreiche Geldautomaten.
Doch Geld und Kaugummis sind lange schon nicht mehr alles, was sich im Inneren so manch automatisierten Kastens verbirgt. Nein, in Automaten wird heute so gut wie alles feilgeboten. In denen unserer Bundeshauptstadt zum Beispiel. Ist Sonntag und der Hobby-Angler hat dummerweise vergessen, Köder für seinen Angelausflug zu kaufen? Kein Problem ... schnell mal zum Maden-Automat und für nen Euro eine Büchse der bewegungsfreudigen Tierchen besorgt. Spät in der Nacht und kein Postkartenladen mehr geöffnet? Auch kein Problem ... schließlich gibt es den Ansichtskarten-Foto-Grußtext-Automaten. Mit hochphilosophischen Texten wie „Nüchtern sind wir schüchtern – voll sind wir toll!“ versehen, erstellt einem der Automat dort ganz individuelle Postkarten. Wer's allerdings doch noch ein wenig anspruchsvoller mag, der geht einfach zu einem der zwanzig Berliner Kunst-Automaten und erwirbt dort für zwei Euro handgearbeitete Aquarelle im Hosentaschenformat oder Mini-Ölgemälde.
Ach ja, und dann gibt es in „Bärlin“, der Stadt, in der angeblich Tag und Nacht der Bär tanzt, noch Pizza-, Fahrradschläuche-, Regenschirm-, Videoverleih- und die im Winter beheizten Eier-Automaten. Eine äußerst praktische, unverzichtbare Erfindung – sollen doch nicht wenige unserer Zeitgenossen in schöner Regelmäßigkeit mitten in der Nacht auf die kalorienreiche Idee kommen, jetzt unbedingt noch einen Marmorkuchen backen zu müssen.
In einer Berliner Markthalle, da findet sich jedoch etwas ganz Besonderes. Dort steht ein Automat, der aussieht wie ein Fotoautomat, und das war er in seinem ersten Leben auch. Nun ist er umgerüstet zum „Gebetomat“, der kostenlos abrufbar rund 300 Gebete in 65 Sprachen bietet. Unter anderem das Vaterunser auf Spanisch, tibetanische Mönchsgesänge, das islamische Freitagsgebet oder Fürbitten auf Plattdeutsch.
Dass sich allerdings in den Toilettenräumen der Berliner Bar „Zu dir oder zu mir“ überhaupt noch ein Plätzchen für sanitäre Anlagen gefunden hat, grenzt an ein Wunder: Dort gibt es neben den obligatorischen Automaten zum Trocknen der Hände und denen, die mit Kondomen in sämtlich verfügbaren Variationen und Geschmacksrichtungen befüllt sind, auch noch einen Parfum-, einen Zahnbürsten- und den berühmten „Fesche-Wäsche-Automat“. Letzterer ist bestückt mit verführerischen Dessous in allen Größen, Formen und Farben... na, und so hervorragend ausgerüstet müsste es dann ja wohl – ganz automatisch – was werden mit 'ner richtig aufregenden Hauptstadt-Nacht.
Lilli U. Kreßner
Sprachlich
Unsere deutsche Sprache ist eine sehr schöne Sprache, wie ich finde. Gut, vom Klang her kann sie mit einer so überaus melodischen Sprache wie der französischen nicht mithalten. Selbst eine Morddrohung kann im Französischen immer noch so klingen, als würde jemand einem ein Kompliment wegen seiner schönen schwungvollen Wimpern oder seiner hübschen kalbsledernen Schuhe machen.
Auch mit der englischen Sprache, speziell dem sehr vornehm klingenden Oxford-Englisch, kann unser Deutsch nicht unbedingt konkurrieren. Selbst, wenn die selige Queen Elisabeth II. auf die zugegebenermaßen ziemlich absurde Idee gekommen wäre, die Gebrauchsanleitung ihres Bügeleisens, mit dem ihre zarten, behandschuhten Hände vermutlich noch nie in Berührung gekommen sind, vorzulesen, könnte man vermutlich geneigt sein zu glauben, man höre ihr gerade bei einer an den britischen Landadel gerichteten Dankesrede zu.
Nein, da kommt unser gutes altes Deutsch wirklich nicht mit. Ganz unbestritten verfügt es aber über andere Qualitäten. Mit Fug und Recht kann man unsere Sprache nämlich als echt bezeichnen. Ja, denn wir schreiben genau so, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Worte wie Staubwedel, Verkehrsinsel, Löschblatt und Dachschaden zum Beispiel werden auf den Buchstaben genau so ausgesprochen, wie sie geschrieben werden. Selbst Begriffe wie Steuervergünstigungsabbaugesetz oder das mittlerweile außer Kraft getretene Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz (kein Witz – das gab es bis zum Jahr 2013 im mecklenburg-vorpommerschen Landesrecht wirklich) können absolut buchstabengetreu zu Papier gebracht werden.
Wie aber sieht es diesbezüglich in unserem Nachbarland Frankreich aus? Dort ist die Sprache so verschnörkelt wie die Seidentapeten im Schloss von Versailles. So gut wie keine Wortendung, die auf dem Papier zu lesen ist, wird ausgesprochen und das „H“ bleibt gänzlich unhörbar. So kommt es denn, dass eine deutsche „holde Schönheit“ von einem Franzosen in Worte gefasst ganz schnell zu einer „olden Schönheit“ wird, und das klingt nun wirklich nicht gerade sehr schmeichelhaft.
Zum Ausgleich dafür, dass sie bei der Aussprache alles Mögliche weglassen, machen unsere französischen Nachbarn andererseits aber ein Riesenbrimborium. Da, wo der bodenständige Deutsche beispielsweise kurz und bündig das Wörtchen „heute“ benutzt, braucht der Franzose ganze vier, die er aneinanderreiht: „Aujourd'hui“ - was wörtlich übersetzt ungefähr so viel bedeutet wie „Am Tag von heute“.
Gut, ich gebe zu: Champs Elysées hört sich nun mal wirklich um einiges besser an als Ku-Damm. Aber selbst da zeigt der Deutsche wieder, wie praktisch er veranlagt ist und wie wenig ihm am Brimborium gelegen ist. Nicht, weil er sprechfaul ist, nein, weil es viel praktischer ist, kürzt er ab. Ansonsten nimmt er es mit seiner Aussprache und deren orthographischer Umwandlung allerdings sehr genau. Ganz im Gegensatz zum Engländer, der „language“ schreibt und „längwitsch“ spricht.
Da war es für die Neandertaler, die angeblich eine mit Gesten unterstützte einfache Sprache aus wenigen Worten gesprochen haben sollen, wohl um Einiges einfacher. Ihnen wäre aber ohnehin mit Sicherheit egal gewesen, wie man „language“ korrekt ausspricht. Und dass der Dativ angeblich dem Genitiv sein Tod ist, hätte den Neandertalmann bei all den Mammuts, die es umzubringen galt, gewiss auch nicht interessiert ... doch wie ich uns Frauen kenne: So ein zart ins behaarte Öhrchen gehauchtes „Chérie“ hätte jede Neandertalfrau gewiss schon damals im Nu dahinschmelzen lassen.
Lilli U. Kreßner
Ich-freu-mich-trotzdem-Tag
Etwas ganz Gravierendes ist mir in den letzten Wochen und Monaten aufgefallen: Die Menschen lachen viel weniger. Aber kein Wunder, gibt es doch triftige Gründe, warum das Lachen einem derzeit wirklich vergehen kann. Dabei ist es so unglaublich wichtig. Denn das, was Vitamine und Mineralstoffe für den Körper sind, das ist das Lachen für die Seele.
Will das Lachen jedoch nicht von alleine zu uns kommen, dann sollten wir uns auf die Suche nach ihm machen. Und da hilft zum Beispiel ein Blick auf den Kalender. Dort kann man sich über den Einfallsreichtum witziger Artgenossen amüsieren.
Neben dem Weltkinder-, Weltfrauen-, Weltmänner- und Welttierschutztag finden sich hier nämlich zahlreiche kalendarische Kuriositäten, die von einfallsreichen Witzbolden vermutlich nur deshalb erfunden wurden, damit die Leute was zum Schmunzeln haben. Und auch im jetzigen, als ziemlich trist und grau verschrienen Monat haben die Erfinder/innen dieser Gedenktage dafür gesorgt, dass die Mundwinkel sich beim Blick auf den Kalender kräftig nach oben ziehen. Einhorn, Tastentelefon, Krümelmonster, Unsinn, Gewürzgurke und Toilette – ihnen allen ist ein ganz bestimmter Novembertag gewidmet.
Der Putz-Deinen-Kühlschrank-Tag, der Tag des ewigen Chaos und der Umarme-einen-Bären-Tag liegen zum Glück schon hinter uns. Der Kauf-nix-Tag, der Tag des Tortenwerfens, der Über-der-Spüle-Essen-Tag und der Tag, an dem man sein einziges Talent feiern soll, die stehen uns allerdings noch bevor. Und heute, am 21. November, da begehen wir den Tag der Lebkuchen-Plätzchen, den Welt-Hallo-Tag und den Tag des Fernsehens.
Und deshalb schicke ich Ihnen heute - bevor ich mich ohne Ausrufung des Putz-Deinen-Kühlschrank-Tags an die dringend notwendige Säuberung desselben mache, am von mir erstmals ausgerufenen Ich-freu-mich-trotzdem-Tag, ein herzliches Hallo und wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie gesund bleiben und dass die Freude und das Lachen Ihnen trotz aller Widrigkeiten nicht vergehen möge.
Ihre Lilli U. Kreßner