Ei ei ei...
Irgendwie haben wir es ja immer schon geahnt: Der Osterhase kann keine Eier legen. Ja, es ist so. Letztendlich Gewissheit verschafft hat uns das Eierproblem, von dem in den letzten Wochen immer mal wieder die Rede war. Große Überschriften, die da lauteten: „Eiermangel! … kann der Osterhase in diesem Jahr genügend Eier bringen?“ waren zum Schreck der deutschen Verbraucher in den Zeitungen zu lesen. Eine neue EU-Verordnung und der Umstand, dass viele Bauern deshalb die Zahl ihrer Legehennen (nicht Legehasen!) reduziert hätten, seien der Grund dafür, wurde uns mitgeteilt.
Somit steht jetzt also endgültig fest: der Osterhase legt die Eier nicht, sondern sammelt sie nur – und zwar im Hühnerstall. Ein ungewöhnlicher Test, durchgeführt am 1. April von einem neugierigen Förster aus dem Vogelsberg, brachte zusätzliche Gewissheit. Ein noch nicht der Weiterverarbeitung anheimgefallenes rohes Ei, das sein Hund aus dem Bau des Osterhasen stibitzt hatte, wurde ausgebrütet und siehe da: Heraus kam kein kleiner Hase, sondern ein kleines Küken.
Gewundert hat mich das allerdings nicht sonderlich. Nein, ich hab' mir so was schon gedacht. Wie soll er das denn auch alles schaffen, der arme Osterhase? Eier besorgen, kochen, anmalen, Körbchen basteln und dann auch noch der streng geheime Transport nebst sicherer Hinterlegung in tausenden von Gärten – von Balkons im dritten oder vierten Stock in fahrstuhllosen Häusern mal ganz abgesehen. Das allein gestaltet sich auch ohne Eierlegerei wirklich schon schwierig genug.
Zugegeben – ein bisschen enttäuscht war ich aber doch. Gut, mir schwante zwar schon länger, dass der Osterhase keine Eier legt. Ein Hahn tut das schließlich ja auch nicht. Insgeheim trug ich mich allerdings doch mit der Hoffnung, dass zumindest die Osterhasenfrau dafür zuständig wäre.
Aber egal, es ist nun mal, wie's ist. Finden wir uns damit ab. Hauptsache, wir haben dank vieler fleißiger (und mittlerweile durch Abschaffung der Käfigbatterien auch glücklicherer) Hennen genügend Ostereier für die Osterfeier. Denn schließlich gehören sie nicht nur zu Ostern wie der Weihnachtsbaum zu Weihnachten, nein, rund um den Globus stellen die Leute mit ihnen die unglaublichsten Sachen an.
Die Bulgaren zum Beispiel gehen ziemlich despektierlich mit ihren Ostereiern um: Nach der Ostermesse lassen sie sie an der Kirchenmauer zerplatzen oder bewerfen den Rest der Familie mit ihnen – und derjenige, dessen Ei trotz dieser rabiaten Behandlung nicht zerbricht, gilt als der Glückspilz des Jahres. Auch in Südtirol geht man nicht gerade sanft mit Ostereiern um: Dort werden sie als Glücksbringer im hohen Bogen über das Haus geworfen.
Ich für meinen Teil muss allerdings sagen, dass die leckeren Ostereier mir viel zu schade zum Herumwerfen sind. Nein, viel lieber (Cholesterin hin oder her) verleibe ich sie mir ein. Pur, mit grüner Soße oder zum feinen Lachsschnittchen.
Eieiei, was für ein Genuss! – den ich hiermit nebst eines schönen Osterfestes auch Ihnen wünschen möchte... und denken Sie bitte daran, den Osterhasen mit einem dicken Möhrchen zu belohnen – zwar nicht, wie wir nun wissen, für das Legen der Ostereier, aber zumindest für die ganze Rumeierei bei der Hinlegerei.
Lilli U. Kreßner
Augenstern
Ganz ohne Frage gehört der Sternenhimmel zum Schönsten, das die Natur uns zu bieten hat. In so mancher Nacht stehen wir wie gebannt am Fenster oder draußen im Freien und genießen den atemberaubenden Anblick, der sich uns bietet, wenn der Sternanzündemann, von Mascha Kaléko in einem ihrer wunderbaren Gedichte liebevoll beschrieben, die vielen Sterne anzündet und dann „einer nach dem andern flammt / silberhell auf blauem Samt“.
„Du bist mein Augenstern“ sagt deshalb nicht umsonst der Verliebte zur Dame seines Herzens und gibt ihr damit zu verstehen, dass sie etwas ganz Besonderes ist – noch viel besonderer als die 6000 Sterne, die bei optimalen Bedingungen mit bloßem Auge am Himmel auszumachen sind. Kein Wunder: Was die Strahlkraft angeht, da ist der in Liebe Entflammte sich sicher, kann kein Stern es mit seiner Auserwählten aufnehmen. Im umgekehrten Fall, was die Temperatur betrifft, aber auch nicht. Selbst die heißblütigste Herzensdame kann zum Glück mit einem Stern nicht konkurrieren. An seiner Oberfläche entwickelt der nämlich locker mal eine Temperatur von 20.000 Grad. Was hingegen aber keineswegs zu bedeuten hat, dass man sich unter gewissen Umständen an seinem irdischen Stern nicht auch ganz gewaltig die Finger verbrennen kann.
Doch gleich mit welcher Begleiterscheinung – der Stern ist in den meisten Fällen ein sicheres Zeichen für Qualität. Gute Köche in aller Herren Länder hoffen alljährlich inständig darauf, vom Guide Michelin, dem berühmten Restaurantführer, mit der Vergabe von wenigstens einem von drei möglichen Sternen in den Gastro-Gourmet-Himmel aufgenommen zu werden. Und auch die Hotelchefs zittern, wenn die Hoteltester kommen. Zumindest drei von fünf Sternen müssen die aus ihren Reiseköfferchen purzeln lassen, damit der anspruchsvolle Gast sich geneigt zeigt, den Sternenhimmel von einem ganz bestimmten Hotelfenster aus zu betrachten.
Nomen est omen: Wer es in der Riege der Schauspieler ganz nach oben geschafft hat, der wird nicht nur in englischsprachigen Ländern, sondern auch bei uns in Deutschland als Star bezeichnet. Angekommen auf der obersten Sprosse der amerikanischen Schauspiel-Himmelsleiter kann es dann sogar passieren, dass er fortan als „Superstar“ gehandelt und mit einem begehrten Stern auf dem Walk of Fame in Los Angeles belohnt wird.
Ja, bis auf die, die man sieht, wenn man mit voller Wucht gegen einen urplötzlich aus dem Boden geschossenen Laternenpfahl gerannt ist, sind Sterne wirklich toll und hübsch anzusehen, auch wenn sich die Sternbilder aufgrund der Eigenbewegung der Sterne im Laufe von ein paar tausend Jahren immer wieder verändert haben. Aber was sind schon Jahrtausende? Manchmal reichen ja schon ein paar Monate, und alles ändert sich.
Zum Beispiel die Kosenamen. Ganz schnell und eh man sich versieht kann nämlich aus dem lieben Mäuschen eine blöde Kuh und aus dem süßen Häschen eine dumme Ziege werden. Solange jedoch der Gatte seine Auserwählte auch nach Jahren immer noch als „Stern“ betrachtet und nicht mit der wissenschaftlichen Bezeichnung „massereiche Gaskugel“ tituliert, hat er's bei seiner Liebsten wahrhaft himmlisch... vorausgesetzt, er ist bereit, ihr zur Gesellschaft ab und an ein paar Artgenossen vom Himmel zu holen.
Lilli U. Kreßner
Die Macht der Farben
Was wäre die Welt ohne Farben?... ich mag es mir gar nicht vorstellen. Wie trist müsste einem wohl alles erscheinen ohne sattes Rot, kräftiges Blau, warmes Gelb und saftiges Grün. Denn mal ehrlich: Eine Wiese, die grau und nicht grün ist, ist doch irgendwie keine Wiese, oder? Nein, und selbst die Tatsache, dass der Himmel sich in unseren Breitengraden nicht selten hinter einem ziemlich dunklen Vorhang aus Wolken versteckt, kann man verschmerzen - denn über diesen Wolken ist er ja, wie wir wissen, strahlend hell-, tief-, kobalt- oder azurblau.
Ach, und welch Labsal ist es doch für unsere Augen, wenn wir bald wieder die ersten violetten Krokusse aus dem noch kalten Boden sprießen sehen, wenn die Forsythien beginnen, sattgelb zu blühen und die kleinen Primeln neugierig ihre zartrosa Blüten entfalten!
Ja, Farben sind ungemein wichtig. Neueste Forschungen haben zudem Erstaunliches zu Tage gebracht: Dass Blau nämlich die Wundheilung beschleunigen, Schmerzen lindern und sehr beruhigend wirken kann. Deshalb, so heißt es, sei so mancher Zahnarzt schon dazu übergegangen, Zähne und Zahnfleisch seiner Patienten zu Beginn der Behandlung mit Blaulicht zu bestrahlen, um die Betäubungsspritze überflüssig zu machen.
Und Rot regt alle Lebewesen an, fanden die Forscher heraus. Pflanzen wachsen besser, Hühner legen mehr Eier (...also ein eindeutiges Pro für rotes Stroh im Hühnerstall!) und bei Menschen soll sich die Pulsfrequenz beim Anblick dieser Farbe angeblich sofort erhöhen. Doch, leuchtet mir irgendwie ein. Warum dann aber eine ganz bestimmte Sorte Pillen blau ist, das will sich mir nicht so recht erschließen.
Entspannter essen lässt sich nach Meinung der Experten in gelb gestrichenen Küchen (ha, unsere ist gelb!), und grüne Wände sollen Einfallsreichtum sowie Kreativität fördern. Da ich aber leider über keine grüne Arbeitszimmer-Tapete verfüge, bin ich deswegen neuerdings dazu übergegangen, während des Verfassens meiner Kolumnen die Yuccapalme neben meinem Schreibtisch immer mal wieder ausgiebig ins Auge zu fassen. Und – was soll ich sagen – es scheint zu funktionieren!
Selbst unser Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe hat sich einst begeistert mit der Welt der Farben beschäftigt. Sein umfangreiches Werk „Die Farbenlehre“ befasst sich eingehend mit diesem Thema. Gut, der Inhalt hört sich im ersten Moment vielleicht ein bisschen trocken an, aber manch Interessantes ist dort zu lesen - unter anderem der poetische Satz: „Die Farben sind Taten des Lichts, Taten und Leiden.“
Was er, umgemünzt auf heutige Zeit, wohl mit „Leiden“ gemeint haben könnte, das kann ich mir allerdings ziemlich gut vorstellen. Denn dazu muss ich mir nur das stets frisch colorierte Haupthaar der vom Jugendwahn heimgesuchten älteren Herren betrachten - bei solch gruseligen Anblicken, da kann einen echt schon mal das Leiden packen.
Lilli U. Kreßner